Führung in der Krise - Krise in der Führung?
Restrukturierung, Veränderung, Unsicherheit – in schwierigen Zeiten stehen Führungskräfte oft zwischen strategischen Entscheidungen und der Herausforderung, ihr Team mitzunehmen. Wie schafft man Vertrauen? Wie begegnet man Widerständen? Und wie führt man wirklich wirksam durch Veränderungen?
Genau darüber haben wir mit Dr. Peter Dennis gesprochen. In unserem neuen Interview beleuchten wir, wie Coaching durch einen strategischen Sparringspartner Geschäftsführern und Führungskräften helfen kann, Krisen zu meistern.

Vom Gegeneinander zum Miteinander – geht das wirklich?
Coaching klingt oft nach „alle setzen sich im Kreis und reden über ihre Gefühle“ – aber in der Realität geht es oft um harte Konflikte und blockierte Kommunikation. Wie arbeiten Sie mit Geschäftsführern und Führungskräften, damit sie ihre Rolle in schwierigen Phasen professionell ausfüllen können?
Ich mache mir ein Bild über die aktuelle Lage des Unternehmens, sowohl in Bezug auf die Hard Facts als auch auf die Zusammenarbeit, Führung und Kommunikation. Während die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse prinzipiell schnell aufbereitet und mit den Prognosen ergänzt werden können, werden die sogenannten Soft Facts erst in Gesprächen und Workshops sichtbar. Angefangen bei der Geschäftsführung und der zweiten Führungsebene können Hypothesen für Desorientierung, mangelnde Identifikation mit dem Unternehmen und Demotivation sowie Ursachen für hohe Fehlzeiten und Fluktuation herausgearbeitet werden. In enger Abstimmung mit der Unternehmensleitung wird nach kurzer Zeit ein transparenter Transformationsprozess entwickelt, der von der Aufbauorganisation über Prozessbeschreibungen bis hin zu konkreten Zielsetzungen und Regeln der Zusammenarbeit reicht. Begleitung und Evaluation der Ergebnisse der Umsetzung runden den Prozess ab.
Coaching und Veränderung – wie motiviert man Mitarbeitende in der Krise?
Wenn Restrukturierung oder Transformation anstehen, haben viele Mitarbeitende erstmal Angst – vor dem Jobverlust, vor mehr Druck, vor der Ungewissheit. Wie hilft Coaching dabei, diese Ängste zu überwinden und stattdessen Motivation und Sicherheit zu schaffen? Und wie oft kommen Ihnen da Sätze wie „Das funktioniert doch eh nicht“ entgegen?
Genau, Sie beschreiben absolut richtig die ersten Reaktionen auf jegliche Veränderung. Die Führungskräfte werden begleitet, um auf die unterschiedlichen Gefühlslagen der Mitarbeitenden in den jeweiligen Phasen eingehen zu können. Die vorhandenen Ängste wahrzunehmen und Verständnis dafür zu zeigen, ist meist der erste Schritt. Anschließend offen über die augenblicklich schwierige Situation zu sprechen und gleichzeitig Perspektiven als Wege aus der Krise aufzuzeigen, öffnet das Verständnis. Zeit für Führung durch aktives Zuhören und unterstützende Fragen schafft Vertrauen. Neben Ihrer Frage nach dem Zweifeln nehme ich oft wahr, dass Mitarbeitende kein Zutrauen in die Versprechungen ihrer Führungskräfte haben. Entscheidend wird sein, dass Führungskräfte ihr Wort tatsächlich leben. Dass sie zu ihrem Wort stehen und Fehler und Korrekturen offen eingestehen. Persönliche Hemmnisse und Widerstände müssen überwunden werden - dafür ist Coaching das ideale Instrument.
Coach oder Berater – wo endet die eine Rolle und wo beginnt die andere?
In Beratungsprojekten arbeiten wir strategisch und analytisch, aber Coaching hat oft einen eher persönlichen Fokus. Wie kombinieren Sie diese beiden Welten in Ihrer Arbeit? Und was halten Sie von dem Klischee, dass Berater Zahlenmenschen sind und Coaches Gefühlsmenschen?
In einem Großteil der Beratungsprojekte haben wir festgestellt, dass die schwierige betriebswirtschaftliche Situation neben unternehmerischen oder ökonomischen Ursachen auch personelle Ursachen hat. Führungskräfte sind in der Regel aufgrund ihrer hervorragenden Fachkenntnisse geworden, haben sich jedoch selten mit den psychosozialen Voraussetzungen der Motivation und Identifikation ihrer Mitarbeitenden auseinandergesetzt. Schaffe ich für erfolgreiche Beratung durch meine zahlenbasierte analytische und strategische Kompetenz und Unternehmenserfahrung Vertrauen und Begegnung auf Augenhöhe, kann ich auch für das begleitende Coaching Glaubwürdigkeit vermitteln. In einer erfolgreichen Führungskraft ergänzen sich unternehmerische Ziel- und Ergebnisorientierung mit den persönliche Kompetenzen und werden erst durch sie wirksam und nachhaltig.
Führung auf den Punkt: Ein Tipp für Krisenzeiten
Wenn Sie nur einen einzigen Tipp an eine Führungskraft geben dürften, die gerade in einer Krise steckt – was wäre das?
Der Tipp eines Coaches an die Führungskraft ist ist in der Regel eine Frage: was würden Ihre Mitarbeitenden auf die Frage antworten, „Was kann ich tun, um aus der Krise herauszukommen?“ Aus den fiktiven Antworten werden sich im Gespräch konkrete Maßnahmen ableiten lassen, deren kurz-, mittel- oder langfristige Umsetzung bezüglich ihre Wirksamkeit bewertet werden können.
